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Interview  

 

Hinweis: Das folgende Interview mit dem Autor wurde im Juni 2025 von Lea Merten geführt. Es erschien erstmals in einem Print-Magazin (nicht öffentlich archiviert) und wird hier in Zweitverwertung online zugänglich gemacht.

 

Das Buch ist da, bei "tredition": Amoklauf im Swingerclub

 

❓1. Kritiker der Swinger sind doch nur verklemmt und spießig – oder?

Nein. Kritik an Enthemmung ist nicht gleich Prüderie.
Ich kritisiere nicht Sexualität an sich – sondern eine Kultur, die Sex zur Ware gemacht hat, Menschen zu Werkzeugen degradiert und dabei von „Freiheit“ redet. Ich schreibe auch gerne von "Fast-Food-Sex". Das ist kein Fortschritt, das ist Verfall mit Etikettenschwindel.

 

❓2. Was ist schlimmer – Gewalt im Club oder Gleichgültigkeit im Schlafzimmer?

Beides hat das gleiche Fundament: Entmenschlichung!
Ob jemand gedankenlos über Gefühle hinweggeht oder eiskalt zuschlägt – in beiden Fällen stirbt etwas. Im Club stirbt der Körper. In Beziehungen die Seele.

 

❓3. Besser Sex machen als Krieg – oder?

Nur wenn Sex nicht selbst ein Krieg ist.
Was heute oft als „freier Sex“ verkauft wird, ist in Wahrheit Machtspiel, Tauschhandel, Selbstzerstörung. Da kämpft jeder gegen jeden unter dem Deckmantel der Toleranz. Und kaum einer merkt es, wie ich finde.

 

❓4. Ist „Amoklauf im Swingerclub“ ein Buch gegen Sex?

Nein. Es ist ein Buch gegen den Missbrauch von Sexualität als Ersatzreligion.
Gegen Konsum ohne Gefühl. Gegen Menschen, die denken, sie seien frei – und dabei längst Gefangene ihrer Triebe sind. Hart, aber wahr!

 

❓5. Warum so brutal? Warum so direkt?

Weil man ein totes System nicht mit Wattebäuschen kritisiert.
Wenn du weich formulierst, versteht dich niemand. Ich will nicht gefallen. Ich will treffen. Im Kopf. Im Bauch. Im Gewissen.

 

❓6. Wer liest so etwas freiwillig?

Menschen, die mutig genug sind, sich selbst infrage zu stellen.
Nicht jeder Leser muss zustimmen. Aber jeder, der es zu Ende liest, wird sich verändern oder zumindest über diese verlogenen Sex-Süchte der Swinger nachdenken – und das ist mehr, als die meisten Bücher erreichen, glaube ich.

 

❓7. Ist dein Buch eine Form von literarischer Selbstjustiz?

Vielleicht. Vielleicht ist es ein moralischer Schrei in einer Welt, die jedes Maß verloren hat.
Wenn die bürgerliche Mitte nichts mehr fühlt, muss der Roman laut werden. Ich schreibe für das, was sonst verschwiegen wird.

 

❓8. Was ist perverser – Gruppensex oder moralisches Wegsehen?

Wegsehen.
Gruppensex ist ein Symptom. Moralisches Wegsehen ist die Ursache. Es macht möglich, dass aus Lust Dekadenz oder Gewalt wird – und keiner hinschaut.

 

❓9. Würdest du dein Buch Minderjährigen verbieten?

Ja – nicht weil sie es nicht verkraften, sondern weil es nicht ihre Zeit ist.
Dieses Buch ist für Erwachsene, die wissen, wie falsch es laufen kann – und den Mut haben, in den Spiegel zu schauen!

 

❓10. Was würdest du jemandem sagen, der sich nach dem Lesen beleidigt fühlt?

Dann hat es funktioniert!
Ein Roman soll nicht streicheln. Er soll reiben, brennen, aufregen. Wenn du dich getroffen fühlst, dann warst du vielleicht gemeint.